Totalität des Spätkapitalismus

Marcuse, also den Herbert, neu zu lesen ist ein durchaus lohnenswertes Unterfangen. Sein Begriff vom Totalitarismus der entwickelten Industriegesellschaften, bzw. des globalen Kapitalismus, der noch die letzte unserer Lebensäußerungen durchdringt und sich als alternativlos darzustellen sucht – ob nun in seiner us-amerikanisch, europäischen, russischen oder chinesischen Spielart – ist der Einzige mit dem es Sinn macht von gesellschaftlicher Totalität zu sprechen.

„Infolge der Art, wie sie ihre technische Basis organisiert hat, tendiert die gegenwärtige Industriegesellschaft zum Totalitären. Denn »totalitär« ist nicht nur eine terroristische politische Gleichschaltung der Gesellschaft, sondern auch eine nichtterroristische ökonomisch-technische Gleichschaltung, die sich in der Manipulation von Bedürfnissen durch althergebrachte Interessen geltend macht. Sie beugt so dem Aufkommen einer wirksamen Opposition gegen das Ganze vor. Nicht nur eine besondere Regierungsform oder Parteiherrschaft bewirkt Totalitarismus, sondern auch ein besonderes Produktions- und Verteilungssystem, das sich mit einem »Pluralismus« von Parteien, Zeitungen, »ausgleichenden Mächten« etc. durchaus verträgt.“
Der eindimensionale Mensch (1994) , S. 23

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